DAF's Drehzahl-Diät


Mit der Vorstellung der überarbeiteten Baureihen CF und XF will DAF die Wirtschaftlichkeit der Fahrzeuge erneut gesteigert haben – auch, weil die Drehzahlen weiter fallen.


Eigentlich könnte man mal wieder viele, viele Zeilen über den technischen Fortschritt der neuen CF- und XF-Generationen verfassen – um ein vielfaches beeindruckender ist das Wirken der weiterentwickelten Fahrphilosophie in der Praxis. Allerdings, und das ist inzwischen der übliche Wermutstropfen auf dem Weg zu den sprichwörtlich eigenen Erfahrungen, muss das modellgepflegte Programm bzw. dessen technischen Details den zukünftigen Nutzern vorab zumindest grob erläutert werden. Denn das Ziel, den Einsatz der mittelschweren und schweren Nutzfahrzeuge ein weiteres Mal effizienter zu gestalten, erfordert seitens des Herstellers auch eine Weiterentwicklung eigener Denkansätze, und diese müssen dann, um in der Praxis auch die gewünschte Wirkung entfalten zu können, dem Nutzer zunächst einmal vermittelt werden.

Dabei erscheint der grundsätzliche Gedanke im Falle von DAF ebenso banal wie logisch. So schilderte Raoul Wijnands, Manager Testing, im Rahmen einer Pressepräsentation im niederländischen Valkenburg, dass man „jedes Teil der ohnehin schon guten CF und XF in die Hand eines jeden Ingenieurs gegeben hat, um so auch nochmals im Detail zu untersuchen, ob die Funktion nicht vielleicht doch noch ein bisschen effizienter gestaltet werden könne“. Das Ergebnis dieser Spurensuche: Nach Aussage des Nutzfahrzeugexperten will es den Niederländern über eine Vielzahl von teilweise recht kleinen Teilmaßnahmen gelungen sein, einen um durchschnittlich sieben Prozent verbesserten Verbrauch im täglichen Einsatz der Lkw zu erzielen – natürlich in Abhängigkeit vom jeweiligen Einsatzsegment.

Ähnlich unauffällig den Änderungen im Detail geben sich auch die Autos selbst. So muss man schon einen genauen Blick auf die Chromblende der Frontgestaltung werfen, um die „Neuen“ auch im Vorbeifahren als solche zu identifizieren. Denn neben diversen, kleinen aerodynamischen Maßnahmen rund ums Fahrerhaus fallen insbesondere die beiden kleinen Erhöhungen links und rechts neben dem DAF-Schriftzug ins Auge. Weitaus umfangreicher sind jedoch die Änderungen hinter dem Grill. So haben alle MX-11-Motoren ein dezentes Leistungsplus von 10 PS erhalten, während die MX- 13-Maschinen um 20 PS stärker geworden sind. So bieten die Niederländer jetzt acht Motorisierungsstufen mit Leistungen zwischen 300 und 530 PS an. Und auch mit den Drehmomenten ging es aufwärts. Die liegen jetzt zwischen 1350 und 2600 Nm. Weitaus wichtiger als der reine Leistungszuwachs ist jedoch die Charakteristik, mit der die Antriebe ab sofort zu den Kunden rollen. Der wesentliche Ausgangspunkt bei der Entwicklung der neuen Paccar-MX-11- und MX-13-Motoren war die Reduzierung der Drehzahlen (Downspeeding), um einen möglichst geringen Kraftstoffverbrauch zu erzielen. Die MX-11- und MX- 13-Motoren der neuen Generation liefern ihr maximales Drehmoment somit bereits ab 900 U/min. Dadurch laufen die Motoren der neuen DAF XF und DAF CF bei Dauergeschwindigkeit, im sogenannten „Sweet Spot“ oder „Sweet Point“, mit rund 1000 U/min.

Um auch bei den noch mehr reduzierten Drehzahlen viel Zugkraft und einen hohen Fahrkomfort zu gewährleisten, wurde das Drehmoment aller neuen Motoren je nach Motortyp um 50 bis 200 Nm erhöht. Darüber hinaus wendet DAF bei der neuen Generation DAF XF und CF zur Maximierung der Effizienz der Antriebsstränge im höchsten Gang Multi Torque an. Dank Multi Torque werden im höchsten Gang zusätzliche 100 Nm bis 150 Nm freigesetzt, damit für einen möglichst geringen Verbrauch und maximale Wendigkeit so lange wie möglich im höchsten Gang weitergefahren werden kann. Um das bereits beschriebene Downspeeding zu ermöglichen, wurden die MX-11- und MX-13- Motoren nach Unternehmensangaben großenteils neu konzipiert. So wurden an beiden Antrieben unter anderem Motorblock, Kühlung, Lufteinlass, Lager und Kurbelwelle sowie Kolben komplett neu entworfen. Und das Verdichtungsverhältnis setzte man von bisher 17,5:1 um einen Punkt auf 18,5:1 herauf. Weiterhin werden neue, noch effizientere Turbolader eingesetzt, sodass der Motor bei niedrigen Drehzahlen ein noch höheres Drehmoment liefert und einen effizienteren Gasaustausch aufweisen soll.

Im Hinblick auf maximale Effizienz setzt DAF neben einem vollständig neuen Ölmodul mit reduzierten Druckverlusten auch eine kontinuierlich variable Ölpumpe ein. Diese neu entwickelte Pumpe sorgt dafür, dass der Öldruck jederzeit genau auf den Bedarf des Motors abgestimmt ist. Auch das reduziert natürlich den Energiebedarf – und damit auch den Kraftstoffverbrauch. Für die neuen, kontinuierlich variablen Kühlwasser- und Lenkpumpen gilt dasselbe Prinzip. Auch sie leisten so ihren Beitrag zu einem geringeren Kraftstoffverbrauch. Last but not least hat DAF der Abgasnachbehandlung einer offenbar sehr effektiven Diät unterzogen. So führen die Niederländer bei der neuen Generation der XF- und CF-Lkw ein neues und ultrakompaktes Abgasnachbehandlungssystem (EAS) ein, das rund 50 kg leichter ist; eine Einsparung, die vollständig der Zuladung zugute kommen soll. Ein weiterer Vorteil liegt natürlich in den kompakten Abmessungen. Diese sorgen dafür, dass das EAS schneller seine ideale Betriebstemperatur erreicht und der Motor früher in den kraftstoffeffizientesten Modus hochschalten kann. Darüber hinaus entsteht dank der kompakten Abmessungen der neuen Abgaseinheit am Fahrgestell noch mehr Freiraum für die Montage von beispielsweise Kranabstützungen oder Werkzeugfächern. Zudem ist es nicht mehr erforderlich, DeNOx-Katalysator und Rußfilter zu trennen.

Neben Motor und Getriebe wurden, als Bestandteil von DAF Transport Efficiency, auch die Hinterachsen SR 1344 und SR 1347 mit zwei Zielsetzungen weiterentwickelt: Vereinfachung des Downspeedings und Maximierung der Effizienz. Dabei stellten nach Raoul Wijnands die Investitionen für diesen Teil der Modellpflegestufe den größten Brocken des gesamten Programms dar. Schließlich unterzog man die Hinterachsen nicht nur einer grundlegenden Überarbeitung, sondern installierte auch eine neue Fertigungslinie. Nicht ohne Stolz betrachtet der niederländische Nutzfahrzeugexperte so beispielsweise das neue Differenzial als effizienteste Hinterachskomponente derzeit auf dem Markt überhaupt. Die neue Hinterachse SR 1344 wird so unter nahezu allen Modellen der neuen XF und CF montiert. Die SR 1347 ist Lkw für schwere Einsätze und dem stärksten DAF vorbehalten: dem XF 530. Ungeachtet der Reifengröße oder des Einsatzgebietes soll dank der überarbeiteten Hinterachsfamilie jederzeit eine optimale Hinterachsübertragung verfügbar sein. DAF bietet vor diesem Hintergrund die verbesserte Hinterachse SR 1344 mit vier neuen Übersetzungen an: 2.05, 2.21, 2.38 und 2.47. Diese werden zusätzlich zu den bereits bestehenden Angeboten geführt. Die weiterentwickelte SR 1347 verfügt über eine neue Hinterradübersetzung von 2.39.

Die Effizienz der Hinterachsen wird nicht nur durch den Einsatz neuer Zahnprofile gesteigert, sondern auch durch einen neuen Produktionsprozess. Diesen soll die Präzision der Zahnradgeometrie optimieren bzw. maximieren, wodurch die Reibung zwischen den Zahnrädern untereinander minimiert werden konnte. Darüber hinaus verwendet DAF ein Öl mit einer (geringeren) Viskosität. Lange Rede, kurzes Fazit. Wie gesagt, eine hohe Zahl von teilweise recht unscheinbaren und von außen darüber hinaus auch nicht sichtbaren Detailverbesserungen sollen die neuen CF- und XF-Baumuster nochmals in ihrer Wirtschaftlichkeit verbessern. Ein zentrales Element dabei ist im neu definierten „Sweet Point“ die weitere Reduzierung der Drehzahlen. Dies sorgt dann in der Praxis zunächst einmal für erstaunte Gesichter und zweifelnde Minen. Denn mit 900 U/min mit einem ohnehin akustisch kaum wahrnehmbaren Motor in einen leichten Anstieg hineinzufahren, und diesen dann auch ohne Schaltung zu bewältigen, erfordert auf den ersten Kilometern gerade beim Fahrer ein gewisses Beharrungsvermögen – eben nicht doch manuell einzugreifen. So wird in den kommenden Monaten vermutlich der größte Schulungsbedarf für die Fahrer darin bestehen, Vertrauen zu vermitteln – auf die niedrigen Drehzahlen, die so nicht nur die bisherige Wirtschaftlichkeit garantieren, sondern sogar noch verbesserte Werte ermöglichen sollen. fh

winwin-Fazit:

Bei der Hardware der neuen DAF-Modelle zielt die nochmalige Reduzierung der Drehzahlen, aber auch des Fahrzeuggewichtes auf einen abermals verringerten Verbrauch und eine gleichzeitig höhere Wirtschaftlichkeit.

Bei der Software soll DAF Connect durch aktuelle Informationen zu Fahrzeugstandort, Kraftstoffverbrauch, Zustand des Lkw und Fahrverhalten des Fahrers rund um die Uhr für ein effizientes Nutzfahrzeugmanagement sorgen.



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