• Das Hauptthema: Wie entwickelt sich die Logistikbranche?
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  • Foto: Städtler Logistik

Transportlogistik 2017: Trends und Entwicklung


Wie entwickelt sich die Logistikbranche – quantitativ sowie auch qualitativ? Die Branche wächst, muss sich aber mittelfristig radikalen Veränderungen stellen. Dies wurde auf dem Städtler-Logistik-Treff deutlich. Dort hat der Logistikexperte Prof. Dr. Christian Kille vom IAL der Hochschule Würzburg vor fast 100 Logistikverantwortlichen interessante Antworten auf diese Frage gegeben.


Doch diesmal vertrat Kille nicht nur Wissenschaft und Hochschulen, sondern auch eine Brancheninitiative, die er zusammen mit Markus Meißner, Geschäftsführer der AEB Gesellschaft zur Entwicklung von Branchen-Software mbH, gegründet hat: den Gipfel der Logistikweisen.
Die Initiative unter der Schirmherrschaft der Parlamentarischen Staatssekretärin des Bundesministers für Verkehr und digitale Infrastruktur Dorothee Bär soll Wissenschaft und Wirtschaft, Logistikdienstleister und verladende Unternehmen, Berater und Lieferanten zusammenbringen. Ähnlich wie den Wirtschaftsweisen untersuchen die dort versammelten Logistikexperten die Treiber und Trends der Logistikbranche und erstellen Prognosen zur konjunkturellen Entwicklung.
Was erwartet also die Logistik im Jahr 2017? In die Vorhersage der Entwicklung für 2017, das Prof. Dr. Kille als ein Jahr voller Unsicherheit, aber auch voller Potenziale beschrieb, gehen analytische Prognosen und praktische Erfahrungen der Gipfelteilnehmer ein. Bei der Ermittlung eines Korridors für die Entwicklung der Logistikkosten werden Prognosen zu Produktion, Konsum und Außenhandel sowie den wichtigsten Kostenelementen und Preisentwicklungen analysiert. Die Logistikweisen gehen davon aus, dass die Sendungsanzahl, IT-Investitionen und Personalkosten steigen werden. Die Logistikmargen bleiben stabil, aber Sendungsgrößen und -gewichte verringern sich.

Ergebnis des Gipfels: Für 2017 wird ein Wachstum in Höhe von 1,9 Prozent prognostiziert. Im zweiten Teil seines Vortrags gab Professor Kille z. B. eine Reihe interessanter Denkanstöße, die unter den Teilnehmern des Städtler-Logistik-Treffs zu vielen Fragen und angeregten Diskussionen führten. So prognostiziert der Wissenschaftler eine zunehmende Individualisierung von Produkten und eine Vielzahl von Auswirkungen moderner 3D-Drucktechnologien auf die Logistikbranche. Logistikunternehmen werden durch die Konfektion von Produktvarianten einen Teil der Herstellerwertschöpfung übernehmen. Noch gravierender und vielseitiger wird der Einfluss des 3D-Drucks sein – etwa im Bereich der Ersatzteillogistik. Professor Kille präsentierte eine interessante Analyse aus den USA. Hier hat der United States Postal Service die Inhalte der von ihm ausgelieferten Pakete analysiert (In den USA müssen aus Sicherheitsgründen die Inhalte aller Paketsendungen angegeben und erfasst werden.). Ergebnis: 42,4 Prozent der Inhalte aller in den USA zugestellten Pakete könnten künftig mit 3D-Druck-Verfahren hergestellt werden. Auch die im 3D-Druck produzierten Gegenstände werden weiter verschickt, aber statt von wenigen Herstellern mit großen Fabrikstandorten in aller Welt wohl eher in kleinen 3D-Druckzentren in Kundennähe produziert werden – mit erheblichen Auswirkungen auf die Supply Chain, auf Distributionsnetzwerke und Logistik.

Als weiteren zukunftsträchtigen Einflussfaktor identifizieren Professor Kille und die Logistikweisen die Macht der Daten. Mit dem steigenden Wissen über die Kunden und der Big-Data-Analyse historischer Daten ergeben sich neue Geschäfts- und Prozessmodelle wie Predictive Delivery (vorausschauende Belieferung). Das bedeutet: Konsumverhalten und Bedarfe werden teilweise so zuverlässig prognostizierbar, dass Sendungen von Händlern und Herstellern konfektioniert und auf den Weg zum Kunden gebracht werden – noch bevor dieser überhaupt an eine Bestellung gedacht hat. Internetgiganten wie Amazon und einige Onlinemodehändler experimentieren bereits mit Predictive Delivery, um die Paket- bzw. Auftragsgrößen zu optimieren oder die Lieferzeiten zu verkürzen. Hält die Qualität der Datenanalysen die Rücksendequote in Grenzen, lohnt sich dieses Modell. Und der Kunde freut sich über einen neuen Service: „Ich habe selbst nicht gemerkt, dass mein Waschmittel zur Neige geht – aber die haben mir schon Nachschub geschickt.“

Wie werden sich aktuelle Trends konkret auswirken? Als sicher gilt für Professor Kille, dass Digitalisierung und das Internet der Dinge neue innovative Lösungen zur Optimierung von Logistik ermöglichen werden. Gleichzeitig steigen aber auch die Anforderungen an Dienstleister und -leistungen. So ist schwer abzuschätzen, wie sich die noch junge Sharing Economy auswirken wird. Hier gibt es erste Modelle, bei denen lokale Hersteller Pendler und ihre Pkws zum Lieferanten machen, dafür entlohnen und so indirekt die Verkehrsbelastung in Ballungsgebieten verringern. Größere Hersteller experimentieren damit, den Kofferraum von Pendler-Autos zur Paketbox zu machen. Ein weiterer interessanter Aspekt ist der Trend zu nachhaltigeren Wirtschaftskreisläufen mit einer wachsenden Bedeutung von „Leihen statt Kaufen“, Wartung, Refurbishment, Zweitnutzung, Recycling. Für die Logistik hat das Konsequenzen: Wo bisher nur in eine Richtung geliefert wurde, müssen zukünftig auch Abholungen und Anschlussprozesse mitgeplant werden.

Das Fazit des Referenten: „Es bleibt spannend. Die Vielfalt an logistischen Leistungen wächst weiter.“ Ob Unternehmen nun eigene Fuhrparks steuern müssen oder Transportdienstleistungen einkaufen: Eine leistungsstarke Logistiksoftware wird laut Kille immer wichtiger.



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